5 Gründe warum es Angestellten besser geht als Selbständigen

von webtiger am 29. August 2013

Die Sonne scheint in mein Gesicht – und ich spüre wie der warme Spätsommer-Wind die kleinen Härchen auf meinen Unterarmen in Bewegung bringt. Unter mir höre ich mit jedem Schritt den weichen Kiesboden, während der warme Wind die Blätter in den Kastanienbäumen über mir in Wallung bringt.

Während ich in Berlins bekanntem Park Kaffee sitze, schaue ich in die Gesichter von einigen der erfolgreichsten Internet Unternehmer Deutschlands. Einige davon stehen im Rampenlicht, ein paar andere haben ihr “Internet”-Imperium im Stillen und im Hintergrund aufgebaut. Wir scherzen miteinander und lachen, während wir vom Personal des Kaffees freundlich bedient werden.

Früher hätte ich mich dabei nicht so gut gefühlt – mitten unter der Woche und einfach so im Kaffee sitzen? Sowas macht man doch nicht als Selbständiger, oder doch? Richtig, als Selbständiger ist das gar keine gute Idee – auf gar keinen Fall!  Denn wer arbeitet in der eigenen Abwesenheit? Richtg: NIEMAND! Früher wäre auch bei mir in dieser Zeit viel Arbeit  liegen geblieben. Folglich hätte ich also auch kein Geld verdient.

Doch das hat sich nun alles geändert. Seit ca. zwei Wochen habe ich meinen ersten Festangestellten. Und bereits jetzt merke ich wie sich mein Leben als “Selbständiger” dadurch dramatisch verändert hat. Davor hatte ich schon viel Outsourcing gemacht, doch dieses Mal ist es etwas anders. Ich weiß nämlich, da ist jemand da für mich – und zwar 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche. Welch’ ein großen Unterschied sowas tatsächlich ausmachen kann hätte ich vorher nicht gedacht.

Leverage heißt das Zauberwort

Das Zauberwort heißt Leverage. Erfolgreiche Unternehmer “leveragen” sich selbst und ihre Zeit. Sie lassen “Systeme” und Menschen für sich arbeiten. Ich mache das (noch) auf einem ziemlich kleinen Niveau, doch ich lerne und setze um.

Heute fühle ich mich am wohlsten wenn ich weiß, dass möglichst viele Dinge parallel für mich arbeiten – und zwar auch dann, wenn ich gerade nicht arbeite oder etwas anderes mache. So komisch sich das auch anhören mag, aber das erstreckt sich mittlerweile sogar auf mein Privatleben. Wenn meine Spülmaschine an ist, die Waschmaschine gleichzeitig läuft und meine Haushaltshilfe meine Wohnung reinigt (sie kommt zweimal im Monat), dann fühle ich wohl – sehr wohl sogar :-)

Wenn nicht 1-2 Leute parallel mit mir an “Web”-Projekten arbeiten, dann fühle ich mich bereits etwas unwohl. Soweit ist es jetzt also schon mit mir gekommen… mir, dem ehemaligem Träumer und Chiller der Nation.

Mein neuer Mitarbeiter arbeitet 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche. Es ist ein virtueller Mitarbeiter, aber ein verdammt guter. Kommuniziert gut, arbeitet hart und uns verbindet etwas. Wir beide haben einen Traum. Mein Mitarbeiter lebt in einem Land, indem es den Menschen nicht so gut geht wie hier. Programmierer arbeiten dort 10-12 Stunden am Tag und verdienen 200 USD im Monat. Dabei liegt dieses Land auf der Zeitzonenkarte nur 2 Stunden von uns entfernt.

5 Gründe warum es Angestellten besser geht als Selbständigen

Selbständig zu sein ist nicht viel anders als Angestellter zu sein. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass es schlimmer und härter ist selbständig zu sein als ein Angestellter zu sein. Warum? Ein Selbständiger macht alles selbst und zwar “selbst” und “ständig”… Angebote schreiben, Aufträge ausführen, Rechnungen schreiben, neue Kunden gewinnen. Einfach alles! Ich habe das zwei Jahre lang gemacht doch diese Zeit ist jetzt erstmal vorbei.

  1. Angstellte haben in Deutschland bis zu 6 Wochen Urlaub. Verbeamtete Lehrer sogar 3 Monate im Jahr. Diesen Luxus kann sich kein “normaler” Selbständiger leisten – denn wer schreibt in dieser Zeit die Rechnungen, wer führt die Aufträge aus und wer gewinnt in dieser Zeit neue Kunden? Richtig: NIEMAND. Als selbständiger ist man also gezwungen immer zu arbeiten. Ein ziemlich hoher Preis für die vermeintlich gewonnene “Freiheit” – oder nicht?!
  2. Angestellte haben einen 9 to 5 Job. Was bedeutet das? Sie arbeiten 8 Stunden am Tag, danach fahren sie nach Hause und der Kopf schaltet ab von der Arbeit. Selbständige sind in Gedanken fast immer bei der Arbeit. Wie sollte das auch anders sein? Häufig arbeiten Selbständige von zu Hause – umso schwerer ist es die “Arbeit” von der Freizeit zu trennen
  3. Selbständige haben kein 13. Monatsgehalt und werden auch nicht weiterbezahlt wenn sie mal krank sind. Jeder Tag, an dem ein Selbständiger krank ist, dann kostet das ihn oder sie bares Geld. Warum? Weil ein Selbständiger in dieser Zeit seine eigene Arbeitszeit nicht gegen Geld tauschen kann.
  4. Selbständige haben weniger Freizeit und arbeiten mehr - vorausgesetzt man gibt sich als Selbständiger nicht mit dem Existenzminimum zufrieden, dann arbeitet ein Selbständiger unterm Strich immer mehr als ein Angestellter. Wer einen Selbständigen fragt, ob er auch am Wochenende arbeitet , der bekommt in 8 von 10 Fällen die Antwort: “JA”. Bei Angestellten ist das Verhältnis genau umgekehrt.
  5. Angestellte können öfter auf Autopilot schalten und sogar “Dienst nach Vorschrift” machen. Als Angestellter ist es also möglich mit minmaler Geistesanstrengung durch die Woche und das ganze (Arbeits-)Leben zu kommen. Sobald ein Selbständiger auf “Autopilot” schaltet ist er relativ schnell verloren. Er oder sie ist dann vom Aussterben bedroht und auf dem besten Weg wieder ein Angestellter zu werden.

Der Preis für einen “fehlbesetzten” Selbständigen ist hoch

Fazit: wer selbständig ist und dabei seinen “Job” nicht aus voller Leidenschaft macht, der sollte sich ganz schnell überlegen ob das so klug ist. Der Preis für einen “fehlbesetzten” Selbständigen ist hoch. Und zwar nicht nur für den Selbständigen selber sondern für die gesamte Gesellschaft. Warum? Ein gestresster und unglücklicher Selbständiger ist: a.) nicht genügend für seine Familie da. b.) er schafft keine Arbeitsplätze und c.) belastet das Gesundheitssystem möglicherweise unnötig – denn nicht selten bewegen sich Selbständige nicht genug. Sie bekommen dann allerlei Krankheiten und müssen behandelt werden.

Der Ausweg? Dieser besteht ganz klar darin, Systeme und “Mitarbeiter” aufzubauen und das zu tun, was der eigenen Leidenschaft am nächsten kommt.

 

 

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